„Das Kultusministerium hat den integrierten Unterricht als Sparmodell entdeckt“, kritisierte Sabine Kurtz jetzt den Gesetzentwurf zur Änderung des Schulgesetzes der Regierung, der in der vergangenen Sitzung des Schulausschusses im Landtag beraten wurde.

Die stellvertretende bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion reagierte damit auf die Erläuterungen der Kultusministerin zu Veränderungen der Werkrealschule. „Entgegen der Vorlage, die das Ministerium den Verbänden zur Stellungnahme zugesandt hatte, hat man sich während der Anhörung entschlossen, für die Fortführung der Werkrealschulen statt der ursprünglich geplanten 486 Lehrerdeputate nur 250 Deputate zur Verfügung zu stellen“, so Sabine Kurtz. Die Halbierung sei möglich, indem in der zehnten Klasse alle Schüler gemeinsam unterrichtet werden. Anfangs sei vorgesehen gewesen, die Schüler in unterschiedlichen Gruppen zu  unterrichten, je nachdem, ob sie in Klasse 10 den Hauptschulabschluss oder den Mittleren Bildungsabschluss anstrebten. Auf dem Weg zur Einheitsschule


„Die grün-rote Werkrealschule hat nichts mehr mit der Werkrealschule zu tun, die wir auf den Weg gebracht haben“, stellte Sabine Kurtz fest. Nachdem bereits die Zusammenarbeit mit den beruflichen Schulen aufgegeben wurde und jetzt auch noch integrierter Unterricht in Klasse 10 geplant sei, handle es sich bei dieser Art von Werkrealschule nur noch um eine Zwischenetappe auf dem Weg zur Einheitsschule. „Sie wollen alle Werkrealschulen über kurz oder lang zwingen, Gemeinschaftsschule zu werden“, warf die Leonberger Landtagsabgeordnete der Kultusministerin vor.

Weiterbildung der Lehrerschaft braucht mehr Zeit

Grundsätzliche Zweifel sind nach Ansicht der CDU-Landtagsfraktion hinsichtlich des integrierten Unterrichts angebracht. Es sei unverantwortlich, von der Lehrerschaft in diesem Tempo eine Umstellung ihrer Unterrichtspraxis zu verlangen: „Dafür braucht es langfristige und gründliche Weiterbildung“, erklärte Sabine Kurtz. Diesen Punkt  mahnten auch die Lehrergewerkschaften an, allen voran die GEW. Die CDU-Landtagsabgeordnete wies auf die Stellungnahme der GEW zu der geplanten Schulgesetzänderung hin. Dort heiße es: ‚Die Annahme, jede WRS-Lehrkraft könne jedes Fach unterrichten, bedeutet einen erheblichen Qualitätsverlust und belastet die Lehrkräfte zusätzlich. Es ist sicherzustellen, dass gut fortgebildete Lehrkräfte unterrichten‘.

In der grün-roten Werkrealschule können die Schüler in Zukunft den Hauptschulabschluss sowohl nach Klasse 9 als auch nach Klasse 10 machen. In Klasse 10 werden sich dann sehr unterschiedliche Schülergruppen befinden: Von schwachen Schülern, die die Hauptschulabschlussprüfung wiederholen müssen, bis zu guten, die von Anfang an den mittleren Bildungsabschluss angepeilt haben. „Diese jungen Menschen sollen jetzt alle zusammengerührt werden, damit das Kultusministerium nur halb so viele Lehrkräfte für ihr unausgegorenes Konzept braucht“, kritisierten die CDU-Landtagsabgeordneten im Schulausschuss. Sie forderten, diese Schülerschaft differenziert und den individuellen Begabungen entsprechend in unterschiedlichen Klassen zu unterrichten. „Individuelle Förderung darf nicht auf dem Sparaltar geopfert werden“, mahnte Sabine Kurtz.

Keine Wahlschulen mehr

Außerdem erklärte die Leonbergerin, dass die Haupt- und Werkrealschulen in Zukunft keine Wahlschulen mehr sind. Schüler, die sich nach der Grundschule für eine Haupt- oder eine Werkrealschule entscheiden, dürfen diese nicht mehr frei auswählen, sondern müssen die Schulen in ihrem Schulbezirk besuchen. „Die neue Landesregierung macht die Aufwertung zunichte, die wir in der vergangenen Legislaturperiode für die Haupt- und Werkrealschulen vorgenommen hatten“, bedauerte Sabine Kurtz MdL.

Unausgegorenes Konzept

Insgesamt seien die Änderungen im Schulgesetz sehr unausgegoren. Offensichtlich habe die Landesregierung noch kein stimmiges Konzept. „Was geschieht mit dem Berufseinstiegsjahr (BEJ) und dem Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)?“, wolle die CDU-Fraktion wissen. Sabine Kurtz kündigte an, dass die CDU-Landtagsfraktion diesen Fragen im Interesse der Schüler im Land weiterhin nachgehen werde.

Wahlfreiheit in Jettingen und Gäufelden bleibt erhalten

Im Landkreis Böblingen gibt es derzeit insgesamt 19 Werkrealschulen. Zehn davon befinden sich im Wahlkreis Leonberg: In Aidlingen, Gäufelden, Grafenau, Herrenberg, Jettingen, Leonberg (Schellingschule und August-Lämmle-Schule), Renningen, Rutesheim und Weil der Stadt. Die bereits vorhandenen Schulbezirke bleiben vorläufig erhalten. Damit besteh