Prof. Burghof begeisterte das Publikum im voll besetzten Malteser-Saal des Dätzinger Schlosses mit einer brillanten und mit Humor gewürzten Analyse. 
 

"Eine Lösung der Staatsschuldenkrise in Europa geht nur über den Markt". Diese Auffassung vertrat Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, beim traditionellen Neujahrsempfang des CDU-Gemeindeverbandes Grafenau im Malteser-Saal des Dätzinger Schlosses.  Nach seiner Diagnose liege das europäische System der Staatsfinanzen auf der Intensivstation. Deshalb bewege man sich zur Zeit auf des Messers Schneide. Nach seiner festen Überzeugung zerstöre das in Gang gesetzte Rettungssystem "unser gutes Gleichgewicht, weil es keinen Anreiz gibt". In seine frei vorgetragene und gut verständliche Rede, die Burghof trotz des Ernstes der Situation mit Humor würzte und in die er direkt auch das Publikum im voll besetzten Malteser-Saal miteinbezog, rief der renommierte Lehrstuhlinhaber die Verantwortlichen in der Politik dazu auf, ihr Handeln zu überdenken und zu ändern, "sonst fahren wir gegen die Wand." Augenblicklich zerstöre die Politik jedwede Anreize für eine solide Haushaltspolitik. Grundsatz in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union müsse es wieder werden, "wer entscheidet, muss auch haften. Und das sind die jeweiligen nationalen Regierungen und Parlamente und nicht Brüssel." Sehr deutlich schrieb er nicht nur seinen Zuhörinnen und Zuhörern, die am Ende begeisterten Applaus spendeten, ins Stammbuch: "Alle Rettungsfonds sind keine Anreize !" Die Politik dürfe sich nicht zum Büttel der internationalen Banken machen.

Auf die Situation in Griechenland zu sprechen kommend, sagte Prof. Burghof, in Griechenland herrsche schon lange kein Gleichwicht mehr. Mit dem Rettungsfonds würde lediglich eine "oligarchische und korrupte Klasse" finanziert. Niemand in Griechenland habe etwa Interesse daran, Steuern einzutreiben. Es mache auch keinen Sinn, in Griechenland zu investieren, "weil der Staat pleite ist". Das politische System in Griechenland habe das Land ruiniert. Selbst wenn man versuchen würde, einen Durchgriff auf das private griechische Vermögen zu bekommen, würden die Instrumente fehlen, um dort etwas durchzusetzen. "Nur die Griechen können sich selbst retten", lautete vor diesem Hintergrund der Befund Prof. Burghofs.
 
Viel schlimmer würde es, wenn auch Italien, das der Experte aus Hohenheim als leistungsstark und "großes Sorgenkind" zugleich einstufte, in die gleiche Sitaution wir Griechenland kommen würde. Dann würde sich die EU übernehmen. Burghof, der seine Überlegungen sehr anschaulich an drei Modellen entwickelte (Kapitalmärkte, multiple Gleichgewichte und Anreize), erklärte in diesem Zusammenhang, viele Politiker hätten das gleiche Verständnis von Kapitalmärkten, wie die Menschen im Mittelalter von Vulkanen. Deshalb glaubten sie, alles müsse gebändigt und reguliert werden. Dies sei falsch, denn ein System werde nur dadurch besser, indem man es effizienter steuere. Die Europäische Zentralbank (EZB) manipuliere im Moment die Marktpreise, das sei die falsche Philosophie der Rettungsschirme. Je länger versucht werde, dieses (künstlich) hohe Gleichgewicht zu halten, "desto schlimmer fallen wir auf die Nase."
 
Zwei Hoffnungsschimmer sieht Prof.Burghof: Die Haushaltsdisziplin und den Kapitalmarkt. "Der Kapitalmarkt zeigt die Dinge wie sie sind und er sagt uns auch, daß das Rettungskonzept so nicht funktionieren wird". Davon leitete er die Forderung ab, möglichst schnell wieder zu den Marktmechanismen zurück zu kehren. Ein vereintes Europa, zu dem sich der Redner ausdrücklich bekannte, "muss schliesslich auch ökonomisch funktionieren". Aus diesem Grund müssten wir Nein sagen zu korrupten Eliten, "sonst wird Europa am Ende zerstört." Die Welt warte auf das vereinte Europa ebenso wie auch auf den Euro. Um diesen auch in unserem Interesse liegenden Erwartungen gerecht werden, "müssen die ökonomischen Probleme gelöst werden.
 
CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Günter Graf hatte in seinen Begrüssungsworten darauf verwiesen, daß sich viele Menschen Sorgen um ihr Erspartes machen würden und die Politik im Zusammenhang mit der Euro-Schuldenkrise häufig als hilflos erscheine. Die CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz, zugleich kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, bescheinigte der Gemeinde Grafenau, einen hohen Kultur- und Freizeitwert zu besitzen. In der globalisierten Welt und Gesellschaft komme der Kultur eine wichtige Aufgabe zu. Dafür sei Grafenau ein gutes Beispiel. Und Bürgermeister Martin Thüringer verwies in einem Grußwort unter anderem darauf, daß es für die Gemeinde wichtig sei, das Gewerbesteueraufkommen weiter zu verstärken.
 
Eingerahmt wurde der Empfang durch den jungen Stuttgarter Pianisten Marcel Mok, mehrfacher Preisträger bei "Jugend musiziert" auf Landes- und Bundesebene. Er begann mit Bach und endete mit Prokofjew.