Der JU-Kreisverband Böblingen und der AK Europa des CDU-Kreisverbandes Böblingen durften die Tübinger Politik-Professorin Gabriele Abels in der Begegnungsstätte in Ehningen begrüßen. Der Europa-Abend reihte sich damit in die europapolitischen Bemühungen von CDU und JU im Jahr 2012
ein.
 
Der JU-Kreisvorsitzende Christian Kühn stellte einleitend nochmals die Aktualität des Themas heraus, ehe er das Wort an Professor Abels übergab. Die Inhaberin der Jean-Monnet-Professur betonte, dass die Aussage der Kanzlerin „scheitert der Euro, scheitert Europa“ zu kurz greife. Sie plädiere für eine differenziertere Betrachtung der aktuellen Euro-Krise. Aus Ihrer Sicht werde die EU nicht auseinanderbrechen, wenn Griechenland aus der
Währungsunion aussteige. Griechenland weise derzeit Züge eines „Failing State“ auf, der vom akuten Staatszerfall bedroht sei.

Die große Gefahr der gegenwärtigen Krise sehe sie darin, dass vermehrt alte Ressentiments, auch gegen Deutsche, wieder Fuß fassten. Die
Unterstützung in der Bevölkerung für die EU schwinde, warnte Abels. Umso wichtiger sei es daher, eine breite Debatte über die Zukunft Europas zu führen. Diese dürfe aber nicht nur von den politischen Eliten geführt werden, sondern müsse vor allem in der politischen Öffentlichkeit stattfinden. Mit Blick auf die demokratische Legitimierung der Europäischen Union forderte sie sowohl eine Stärkung der nationalen und subnationalen Parlamente, als auch des Europäischen Parlaments. Sie äußerte die Hoffnung, dass der nächste Europawahlkampf 2014 von den Parteien nicht mehr für bundespolitische Themen missbraucht werde. Die Parteien sollten stattdessen europäische Themen in den Vordergrund stellen. Nur so könne eine europäische Öffentlichkeit gestärkt werden. Zum Schluss ihres Vortrages zeigte sie sich zuversichtlich, dass die derzeitige Euro-Krise vielleicht einen
positiven Effekt habe, indem sie zu einer breiten öffentlichen Diskussion über Europa führen könnte.
 
In der anschließenden Diskussion wurde ausgiebig diskutiert. Man war sich einig, dass die gute deutsch-französische Freundschaft auch künftig als Motor der Integration dienen könne. Unterschiedlich bewertet wurden hingegen die kulturellen Unterschiede in der Europäischen Union. Professor Abels merkte an, die Vielfalt der Identitäten in Europa sei auch eine Bereicherung für uns. Man könne das auch als „europäischen Wert“ betrachten. Die beiden Vorsitzenden bedankten sich im Anschluss bei der Referentin mit einem Präsentkorb und wünschten ihr für ihren Forschungsaufenthalt in den USA alles Gute. Der Vorsitzende des AK Europa, Marc Weber, konnte in seinem Schlusswort auf einen gelungenen Europa-Abend und eine engagierte Diskussion zurückblicken.                                     Eric Weber