96 Standorte mit bis zu 500 Windkraftanlagen in der Verbandsregion Stuttgart, davon 20 oder mehr im Kreis Böblingen, welcher bezüglich der Windhöffigkeit keine rentablen Windstärken bietet - wirtschaftlich betreiben kann man die Windräder erst ab sechs Meter pro Sekunde. Der vom Landkreis als Investor und Betreiber in Betracht gezogene Standort "Erddeponie Leonberg" mit weniger als sechs Meter pro Sekunde gilt als kritisch; mit Spannung werden die Ergebnisse der derzeitigen Windmessung erwartet, die im März 2013 vorliegen.
 
Der immer wieder zitierte Windatlas, erstellt vom TÜV Süd, ist sehr mit Vorsicht zu verwenden, denn die dort ausgewiesenen Werte sind modellierte, das heißt "gerechnete" Windwerte, die teilweise stark von der Realität abweichen. Im betriebswirtschaftlichen Teil ist diese Handreichung für die Kommunen sogar fehlerhaft, denn es wurde bei der Amortisationsrechnung die Verzinsung vergessen, die im neuen Windkrafterlass ausdrücklich gefordert wird.

Der autobahnnahe Standort in Leonberg an der A 8 wirft wegen der Eiswurfgefahr zusätzliche Probleme auf. Die Eiswurfweiten liegen über der Abstandsregelung für Autobahnen, so dass mit Abschaltzeiten bei Vereisungsgefahr gerechnet werden muss, was die Wirtschaftlichkeit zusätzlich vermindert. Die Abstandsregelung gegenüber der Wohnbebauung ist mit nur 700 Metern in Baden-Württemberg die Geringste in allen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen sind es 1 500 Meter, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen und Brandenburg sind es 1 000 Meter. Anderswo in Europa, beispielsweise in Großbritannien, sind es 3 000 Meter. Die Weltgesundheitsbehörde fordert 2 000 Meter. Während also dem Rotmilan im Artenschutz 1 000 Meter Abstand zugestanden werden, muss der Schwabe mit nur 700 Meter zufrieden sein. Einige Kommunen gehen bei der Flächenausweisung der Vorranggebiete dazu über, von vornherein größere Abstände - etwa 1 500 Meter - einzuplanen, um Lärmbeschwerden der Bewohner vorzubeugen, nachdem in Norddeutschland Windkraftanlagen nachts per Gerichtsbeschluss abgeschaltet werden müssen, da die Lärmgrenzwerte von 40 dB(A) nicht eingehalten werden konnten.
 
Vieles läuft nicht rund bei der Windenergie. Bürgerbeteiligung sieht anders aus. Sollte auf dieser Basis weitergeplant werden, werden die Gerichte im Land viel Arbeit bekommen. Windkraft ja - aber dort, wo genügend Wind bläst.
 
Hansjörg Jung (Herrenberg), Vorsitzender der Arbeitsgruppe "Energie" des CDU-Kreisverbandes Böblingen