Vor dem CDU-Kreisvorstand hat Hansjörg Jung aus Herrenberg, Vorsitzender der vor einem halben Jahr ins Leben gerufenen "AG Energie" des CDU-Kreisverbandes, den vom baden-württembergischen Umweltministerium herausgegeben Windatlas heftig kritisiert: "Er ist ungenau und an machen Stellen sogar fehlerhaft". Mit dieser Kritik stehe er nicht allein da, denn der Regionalverband Südlicher Oberrhein habe bereits 2011 darauf hingewiesen, dass der Windatlas in der vorliegenden Form keine belastbare Grundlage für die Fortschreibung seines Regionalplankonzeptes darstellen würde. Jung sprach auf Einladung des CDU-Kreisvorsitzenden Wolfgang Heubach vor dem Gremium, um über die seitherigen Aktivitäten der Arbeitsgruppe Energie zu berichten.

Sorge bereitet Jung die Ausweisung von Vorranggebieten in Baden-Württemberg, die als windschwach eingestuft werden müssten. "Teilweise werden Gebiete mit 4,7 Meter/sec für Windenergieanlagen verplant, in denen eine wirtschaftliche Windenergienutzung nicht sinnvoll ist."

Hansjörg Jung wies ferner auf den geringen Abstand zur Wohnbebauung beim Bau von Windrädern hin. Mit 700 Metern gebe es in Baden-Württemberg den geringsten Abstand unter den Flächenbundesländern. "Solange die Beeinträchtigung der Menschen durch Infraschall nicht genauer erforscht ist, sollte man hier vorsichtiger sein. Die meisten Kommunen in Baden-Württemberg legen deshalb individuell grössere Abstände fest. Hier herrscht insgesamt ein grosses Durcheinander", stellte Jung fest und bemängelte, daß es zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger keine einheitliche Regelung gebe.

Die Gefahr, dass es überall dort, wo die Abstände zu gering seien, zu gerichtlichen Auseinandersetzung komme, sei groß, warnte Jung. "Dass dem Rotmilan im Artenschutz 1000 Meter Abstand zum Horst zugebilligt werden, was nicht zu krtisieren ist, und der Schwabe mit teilweise mit weniger als 700 Metern - Einzelhäuser und Weiler haben 450 Meter Abstand - zufrieden sein muss, führt landauf landab bei vielen Mandatsträgern in den Gemeinden zu Kopfschütteln."
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Jung verwies außerdem auf die derzeit "völlig unbefriedigend" gelöste Eiswurfgefahr durch Windenergieanlagen hin. Die Mindestabstände zu Verkehrswegen seien geringer als die Eiswurfweiten. So betrage beispielsweise bei einem Autobahnabstand von 100 Metern die Eiswufweite 200 Meter und mehr. "Das ist, solange es keine technischen Lösung gegen Vereisung gibt, aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht akzeptabel", betonte der AG-Vorsitzende vor dem CDU-Kreisvorstand.

Hansjörg Jung kam noch auf ein weiteres Thema zu sprechen: Gemäss EEG-Gesetz würden die Netzeinspeisungen aus erneuerbaren Energien vorrangig ins Netz eingespeist. Abgeregelt werde bei „Stromüberschuß“ die konventionelle Erzeugung. Bei Netzüberlastung werde allerdings auch die erneuerbare Energie - beispielsweise die Windenergie - teilweise abgeregelt. "Der dadurch für den Erzeuger der erneuerbaren Energie ausfallende Erlös wird diesem nach § 12 (Härtefallregelung) trotzdem vergütet und über die Allgemeinheit umgelegt. Wenn also das Nichtliefern von Energie vergütet wird, kann man das dem Bürger nur mühsam erklären! Vor allem vor dem Hintergrund der geraden anstehenden Strompreiserhöhung", erklärte Jung.

Er warf zudem die Frage auf, was geschehen würde, wenn Sonne und Wind aufgrund der Wetterlage nichts ins Netz einspeisen würden. "Können in einem solchen Fall Stromimporte und so genannte Schattenkraftwerke mit konventionellen Energien diese Lücke schnell schliessen?" Mit dieser Thematik wolle sich die AG Energie in ihrer Oktober-Sitzung beschäftigen.


CDU-Kreisvorsitzender Wolfgang Heubach lobte das Engagement der AG Energie. "Das Gremium setzt sich aus profunden Kennern der Thematik und gesamten Materie zusammen und hat in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits hervorragende Arbeit geleistet. Nicht zuletzt besitzt es in Hansjörg Jung einen landesweit anerkannten Experten auf diesem Gebiet als Vorsitzenden." Die AG sei nach dem äußerst inhaltsreichen Energie-Kreisparteitag der CDU in Hildrizhausen gegründet worden, um ein Forum innerhalb der Partei zu diesen wichtigen Zukunftsfragen zu schaffen. Heubach erinnerte daran, daß alle Politiker versprochen hätten, bei der Umsetzung der "Energiewende" zwei Dinge sicher zu stellen: Bezahlbare Preise sowie Versorgungssicherheit. Darum gehe es in besonderem Maße der CDU. Heubach und andere Redner unterstrichen in der ausführlichen Diskussion im CDU-Kreisvorstand, daß sie keineswegs die Windkraft verteufeln würden. Vielmehr gehe es daraum, Anlagen nur dort zu installieren, "wo auch wirklich der entsprechende Wind weht und diese Energie kontinuierlich genutzt werden kann."