Auf Initiative des Böblinger Landtagsabgeordneten Paul Nemeth trafen sich Vertreter der CDU aus dem Kreis Böblingen mit Betriebsräten und Funktionsträgern der Christlichen Gewerkschaft Metall in der neuen Geschäftsstelle in der Hauptstrasse 9-11 der CGM in Gärtringen. Im Mittelpunkt des Gespräches standen die aktuelle betriebliche Situation bei Daimler sowie die Zusammenarbeit zwischen CDU und CGM.

 

Die Betriebsräte der CGM - Liste schilderten die Stimmung unter den Arbeitnehmern im Sindelfinger Mercedes-Werk als angespannt. Die Zahl der Leiharbeiter habe in den letzten Jahren ständig zugenommen. Mit dem Auslaufen der aktuellen Generation der S-Klasse und dem anstehenden Wegfall der Produktion der C-Klasse im Werk Sindelfingen seien gerade die Leiharbeiter vom Abbau von Arbeitsplätzen bedroht. Die Arbeitsverdichtung, die in den letzten Jahren bis zu einem 72-Sekunden-Takt für Tätigkeiten am Band geführt habe, trage ein Übriges zum Betriebsklima bei. Auf der anderen Seite habe Daimler im Werk Sindelfingen nicht nur in Forschung- und Entwicklung, sondern auch in die Produktion investiert. „Im Presswerk sind wir mit der neuartigen Warmumformung von Karosserieteilen weltweit führend“, so Betriebsrat Götz Steiner. „Die Vorbereitungen für den Produktionsstart der nächsten Generation der S-Klasse und die Modellpflege der aktuellen E–Klasse laufen auf Hochtouren. Die Fertigungsstraßen und Bereiche werden so angepasst, damit eine flexible Produktion verschiedener Modelle am gleichen Band möglich wird“, so CGM-Bezirksvorsitzender Jürgen Stahl. Ein Problem für die weitere Modernisierung der Produktion (Presswerk, Rohbau) stelle jedoch die räumliche Enge im Werk Sindelfingen dar, die manchen Produktivitätsfortschritt schwieriger und teurer mache, als an anderen Standorten. 

Dem drohenden Fachkräftemangel begegnet die Daimler AG aus Sicht der CGM-Vertreter nicht mit dem notwendigen Engagement. „Im Werk Sindelfingen gibt es momentan jedes Jahr rund 250 neue Ausbildungsplätze in der technischen und dualen Ausbildung. „Vor 10 Jahren waren es fast doppelt so viele“, so Jugendvertreter Sascha Gsell. Eine hundertprozentige Übernahme wurde für die Auszubildenden durchgesetzt, aber dadurch wurde auch die Quote der neuen Auszubildendenplätze gesenkt, betonte Joachim Gsell. „Zudem müssen ausgelernte Jungfacharbeiter teilweise zu lange in der Produktion am Band mitarbeiten, wofür sie eigentlich überqualifiziert sind. „Das bewegt manchen dazu, sich schnellstmöglich weiter zu qualifizieren, ein Studium absolvieren oder den Arbeitgeber zu wechseln“, meint CGM-Landesvorstandsmitglied Benjamin Caruthers.

„Die CGM steht als einzige Alternative zur IG Metall in der Wahrnehmung der Arbeitnehmer nach wie vor gut da“, so Geschäftsführer Ralf Holten zur Rolle der Christlichen Gewerkschaft. Schwierigkeiten habe die Gewerkschaft vor allem dabei, in den Medien die notwendige Berücksichtigung zu finden. „Häufig besetzen wir ein Thema zuerst, das die IG Metall dann übernimmt. Wir gehen dann in den landesweiten Medien unter, während die andere Metall-Gewerkschaft große Presseberichte bekommt.“ Deswegen setze die CGM auch sehr stark auf die persönliche und direkte Ansprache der Kollegen in den Betrieben durch Flugblätter und Informationsveranstaltungen.

Mit dem Wunsch, die Zusammenarbeit zwischen CGM und CDU weiter zu intensivieren, stießen die Gewerkschaftsvertreter bei den anwesenden CDU-Mitgliedern auf offene Ohren. „Die CDU ist als Volkspartei auch eine Arbeitnehmerpartei“, so Paul Nemeth MdL. „Auch wenn Arbeitsmarktpolitik vor allem Bundesaufgabe ist, haben die Belange der Arbeitnehmer in der CDU-Landtagsfraktion ein großes Gewicht.“ Die christliche Soziallehre sei in der CDU nicht nur eine wichtige Säule des Grundsatzprogrammes, sondern würde mit einem starken Arbeitnehmerflügel auf allen Ebenen gelebt, betonte der CDA-Kreisvorsitzende, Roland Horvath. Wolfgang Heubach verwies auf die zahlreichen erfolgreichen Werktoraktionen, die die CDU zusammen mit der CGM vor wichtigen Wahlen im Sindelfinger Daimler Werk veranstaltet habe. „Ich würde es begrüßen, wenn wir in Zukunft auch außerhalb der Wahlkampfzeit am Daimler-Werk gemeinsam Präsenz zeigen würden“, so der CDU-Kreisvorsitzende. Der Sindelfinger CDU-Vorsitzende Thomas Riesch warb um ein starkes Engagement von CGM-Mitgliedern in der CDU. „Wir brauchen Sie sowohl im Vorstand als auch im Gemeinderat, damit wir einen direkten Draht ins Daimler-Werk und zu den anderen Betrieben haben.“

Bildunterschrift: CDU und CGM im Kreis Böblingen setzen auf Ausbau der Zusammenarbeit: Der CDU-Kreisverband Böblingen war mit dem Kreisvorsitzenden Wolfgang Heubach, dem Kreisvorsitzenden der CDA, Roland Horvath, den Stadtverbandsvorsitzenden Paul Nemeth MdL (Böblingen) und Thomas Riesch (Sindelfingen) sowie Kreisvorstandsmitglied Elke Groß vertreten. Von Seiten des CGM Bezirksverbandes Böblingen, Herrenberg, Freudenstadt, Calw nahmen die Landesvorstandsmitglieder und Betriebsräte Götz Steiner und Benjamin Caruthers, der Geschäftsführer Ralf Holten, der Bezirksvorsitzende und Betriebsrat Jürgen Stahl und Betriebsrat Joachim Gsell sowie der frisch bestätigte und wiedergewählte Jugendvertreter im Daimler-Werk Sindelfingen, Sascha Gsell, an dem Gespräch teil.